Beim Parken an Notfälle denken
Ein parkendes Auto ist schnell abgestellt – doch im Ernstfall kann die falsche Platzwahl über Leben und Tod entscheiden. Um auf die zunehmende Verengung des Verkehrsraums durch unbedachtes Parken aufmerksam zu machen, waren Bürgermeister Max Breitenbach, Erste Stadträtin Janika Martin, Leiter des Fachdienstes Öffentliche Sicherheit und Ordnung Gregor Fanroth sowie Stadtbrandinspektor Christian Hinrichs gemeinsam mit Einsatzkräften der Feuerwehr zu einer großangelegten Durchfahrtsprobe im Rodgauer Stadtgebiet unterwegs.
Test mit Löschfahrzeugen
Mit den größten Löschfahrzeugen der Feuerwehr wurden gezielt kritische Straßenabschnitte abgefahren. „Unsere Feuerwehr kommt in allen Fällen ans Ziel – das ist die gute Nachricht“, bilanziert Bürgermeister Max Breitenbach. „Aber das Wie ist das Problem. Häufig müssen die tonnenschweren Großfahrzeuge zentimeterweise an Autos vorbeimanövriert oder von Einsatzkräften mühsam eingewiesen werden. Das kostet wertvolle Sekunden oder gar Minuten, die bei einem Notfall entscheidend sein können.“ Auch wenn Hinweiszettel verteilt wurden: Die Aktion diente nicht dazu, wahllos Knöllchen zu verteilen, sondern ein klares Bewusstsein bei den Bürgerinnen und Bürgern zu schaffen. „Viele Autofahrer parken nicht in böser Absicht falsch, sondern weil ihnen die Ausmaße eines modernen Feuerwehrfahrzeugs nicht bewusst sind.
Abstandsregeln
Die Befahrung zeigt: Die Abstandsregelungen in der STVO sind sinnvoll und notwendig, um die Erreichbarkeit immer zu gewährleisten“, erklärt Bürgermeister Breitenbach weiter. Die Einsatzfahrzeuge, mit denen die Befahrung stattfand, sind inklusive Außenspiegeln rund 2,50 Meter breit und bis zu 10 Meter lang. Wo ein normaler Pkw noch problemlos durchgleitet, wird es für die Fahrzeuge von Rettenden aber auch für die Müllentsorgung oft unmöglich. So brachte es während der Befahrung durch die Landwehrstraße in Jügesheim Feuerwehrmann Cedric Völker auf den Punkt: „Vor zwei Wochen bin ich hier durchgefahren – davon haben wir auch ein Foto gemacht – da stand ein Fahrzeug noch halb auf der Straße: Da war kein Durchkommen mehr möglich.“ Das Ordnungsamt und die Feuerwehr Rodgau erinnern daher nachdrücklich an die geltenden Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO), bei denen drei Bereiche besonders im Fokus stehen: Wenn auf beiden Straßenseiten geparkt werden darf, muss eine Restfahrbahnbreite von mindestens 3,05 Metern für den fließenden Verkehr frei bleiben. Nur so können Rettungs- und Löschfahrzeuge die Straße ohne Verzögerung passieren. Parken Fahrzeuge hingegen auf gegenüberliegenden Seiten versetzt zueinander, wird die Straße schnell zur Slalombahn. Zwischen den versetzt parkenden Autos sollte deshalb ein Mindestabstand von 10 Metern eingehalten werden, damit die langen Feuerwehrfahrzeuge ohne zeitraubendes Rangieren hindurchmanövrieren können. Besonders kritisch wird es oft in engen Kurven sowie an Kreuzungen und Einmündungen, wo das Parken ohnehin unzulässig ist. Hier muss ein Abstand von mindestens 5 Metern zu den Schnittpunkten der Fahrbahnkanten eingehalten werden – verläuft rechts daneben ein baulich angelegter Radweg, erhöht sich dieser Wert sogar auf 8 Meter. Größere Einsatzfahrzeuge besitzen einen enormen Wendekreis und benötigen diesen Raum zwingend als Rangierfläche. Darüber hinaus gilt ein striktes Parkverbot vor und gegenüber von Grundstücksein- und -ausfahrten, wenn die Fahrbahn zu schmal ist und als Richtwert weniger als 5,50 Meter Restbreite verbleiben oder abgesenkte Bordsteine vorliegen.
Parken in zweiter Reihe und Appell
Während das Parken in zweiter Reihe ausnahmslos verboten ist, bleibt auch das Parken auf dem Gehweg grundsätzlich untersagt, es sei denn, Schilder oder Bodenmarkierungen erlauben es ausdrücklich. Nicht zuletzt muss an Haltestellen ein Abstand von bis zu 15 Metern vor und hinter dem Haltestellenschild eingehalten werden, da an unübersichtlichen oder sehr engen Straßenstellen das Parken sowie das Halten generell unzulässig sind. Erste Stadträtin Janika Martin kündigt an, dass bei der Verkehrsraumüberwachung auch solche Kontrollen im Stadtgebiet künftig verstärkt fortgesetzt werden. „Wir appellieren an die Solidarität aller Rodgauerinnen und Rodgauer. Prüfen Sie nach dem Parken stets mit einem kurzen Blick zurück: Passt hier im Zweifel noch ein großer Lastwagen durch? Bitte halten Sie die Rettungswege frei – im Ernstfall könnte es um Ihre eigene Sicherheit gehen.“
