Das ambitionierte Vorhaben, den Alten Friedhof im Stadtteil Nieder-Roden in eine moderne Grünanlage zu verwandeln, nimmt konkrete Formen an. Wo seit 1998 keine Bestattungen mehr stattfinden und die Fläche 2022 offiziell entwidmet wurde, entsteht derzeit ein Ort der Ruhe und Begegnung. Die Stadt Rodgau informiert über den aktuellen Baufortschritt, unerwartete historische Funde und die nächsten Schritte. Die Basis für die heutige Umgestaltung wurde bereits im Mai 2019 gelegt. Im Rahmen eines Charrette-Verfahrens brachten zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger vor Ort ihre Ideen und Wünsche ein. Diese wertvollen Impulse flossen direkt in den Entwurf des Kölner Landschaftsarchitekten Dirk Melzer ein. Ein starkes Zeichen des Bürgerengagements gab es zudem im Jahr 2024: Durch eine Unterschriftenaktion mit über 1.000 Unterzeichnern konnte erreicht werden, dass die rund 100 Jahre alten Linden an der Friedensstraße erhalten bleiben und in das neue Parkkonzept integriert werden. Seit dem Baustart im Juli 2025 läuft der erste große Bauabschnitt auf Hochtouren. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf der Sanierung des markanten, denkmalgeschützten Jugendstil-Torbaus von 1911 sowie der Infrastruktur: Aktuell wird die Energietrasse für Kanal, Strom und Wasser verlegt. Auch die Regenwasserkanäle rund um die historischen Gebäude entstehen derzeit. Die Bodenplatten in den Gebäuden sind inklusive Blitzschutzerdung und Leerrohren gegossen. Zudem wurde bereits der neue Tordurchbruch zum Ahornweg inklusive der Fundamente hergestellt. Die geschützten Grabmale wurden mitsamt ihren Fundamenten fachgerecht ausgebaut und werden für die spätere Integration in den Park sicher auf dem Gelände gelagert. Für die anstehenden Gewerke – von Restaurierungs-, Tischler- und Dachdeckerarbeiten bis hin zur Elektrotechnik – läuft momentan die Auftragsvergabe. Die Freilegung der alten Bausubstanz brachte spannende Details ans Licht. Nach der Abnahme des Außenputzes bestätigte sich die historische Vermutung: Die Gebäude waren ursprünglich als reines Sichtmauerwerk geplant. In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege (LDA) und der Kreisdenkmalpflege wird das Ensemble daher künftig außen steinsichtig ausgeführt. Zudem legten die Arbeiter ein gut erhaltenes Sandsteinsockelprofil eines apsidenartigen Vorbaus frei, auf dem in früheren Zeiten bei Beerdigungen das Kreuz abgestellt wurde. Dieser befand sich seit der Nachkriegszeit unter der Erde und überraschte die Fachleute mit seinem hervorragenden Zustand. Weniger erfreulich ist das umlaufende Wurzelwerk der ehemaligen Linden. Dieses hatte das Mauerwerk stark beeinträchtigt und musste im Zuge der Freilegung des Arbeitsraumes entfernt werden. Dabei zeigte sich auch, dass das Gelände in der Vergangenheit zweimal erhöht und das historische Tor provisorisch in der Höhe angepasst worden war. Das Projekt fordert den Planern logistisches Geschick ab. Die beengten Zufahrtsverhältnisse und die geringe Durchfahrtshöhe am Torbogen machen es nötig, die Baustelle von zwei Seiten anzufahren – über die Friedensstraße und den Ahornweg. Zudem diktiert das Wetter den Zeitplan: An den denkmalgeschützten Gebäuden dürfen ausschließlich kalkhaltige Materialien verwendet werden. Die Naturstein- und Verputzarbeiten erfordern eine durchgehende Mindesttemperatur von 5 Grad Celsius. Die nächsten Schritte werden die historischen Holzfenster, das Holztor sowie das eiserne Friedhofstor ausgebaut und in spezialisierten Werkstätten restauriert. Parallel dazu werden Neubauteile wie eine Alu-Glastüranlage und ein historisch nachempfundenes Rankengitter maßgefertigt. Nach dem Einrüsten des Ensembles starten die Dachdecker- und Spenglerarbeiten. Verlaufen die Wintermonate witterungsbedingt ohne größere Ausfälle, wird der Hochbau im März oder April 2027 entsprechend fortgeschritten sein, dass die lang ersehnten Vorarbeiten für die eigentliche Park- und Freianlage beginnen können.
