Starkregengefahrenanalyse

Die Stadt Rodgau hat für die Erstellung der Starkregengefahrenanalyse das Ingenieurbüro BGS Wasser aus Darmstadt beauftragt.

Ziel

Ziel der Starkregengefahrenanalyse ist ein vorbereitender Schutz 

  • der Bevölkerung 
  • der städtischer Einrichtungen und Liegenschaften 

für das Stadtgebiet vor künftig potenziell zunehmenden und stärker verlaufenden Starkregenereignissen und somit auch eine Anpassung an den Klimawandel.

 

Vorgehen

Im Rahmen der Gefährdungsanalyse wurde ein Modell erstellt, in dem maßgebende Niederschlagsszenarien und Starkregen-Berechnungen mit einer speziell darauf ausgerichteten Software durchgeführt wurden.

Dafür gab es standardisierte Vorgaben des Landes Hessen, nach denen eine Simulation und Analyse der Abflusswege bei Starkniederschlägen für das Stadtgebiet von Rodgau erstellt wurden.

Starkregenereignisse (Regenszenarien), die in unterschiedlicher Richtung über das Stadtgebiet ziehen, wurden simuliert. Dabei wurde auch die Stadtentwässerung durch Kanäle und Fließgewässer (Rodau) mitberücksichtigt.

Mit Hilfe eines digitalen Geländemodells sind Annahmen zu Fließwegen bei bewegter Topographie getroffen worden. 

Ergebnis

Das Ergebnis der Untersuchung sind stadtteilbezogene Starkregengefahrenkarten. Diese dienen dazu das Risiko durch extremen Niederschlag räumlich darzustellen und vorherzusehen. Sie zeigen auf, wo Wasser

  • oberirdisch abfließt
  • sich sammelt 
  • welche Flächen sowie Gebäude gefährdet sein könnten

Die Wassertiefen und die Fließgeschwindigkeiten werden in den Karten dargestellt, um mögliche Gefahren, Risiken einzuschätzen. Die ermittelten Maximalwerte (Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit) wurden in 17 Kartenblättern im Maßstab 1:2.500 aufbereitet.

Die Starkregengefahrenkarten zeigen, dass in den Rodgauer Stadtteilen bei den berechneten historischen Niederschlagsereignissen stellenweise erhebliche Betroffenheiten auftreten. Es ergab einen hohen Anteil von Senken innerhalb der flachen Topographie von Rodgau.

Die zentralen Erkenntnisse und mögliche Betroffenheit sind getrennt für die fünf Stadtteile erfasst. Die Starkregengefahrenkarten werden im städtischen und öffentlich zugänglichem geographischen Informationssystem „Bürger-GIS“ bereitgestellt, um die Bevölkerung auf vorhandene Gefahren hinzuweisen und somit die Eigenvorsorge zu ermöglichen.

Zur direkten Information der Bürgerschaft findet weiter eine Infoveranstaltung statt. 

Informationsveranstaltung Starkregengefahren
Die Ergebnisse der Starkregengefahrenanalyse werden in einer Informationsveranstaltung für die Rodgauer Bürgerinnen und Bürger am 10. August um 19.00 Uhr im Bürgerhaus Dudenhofen vorgestellt.

Die oben genannten Karten werden bei der geplanten Informationsveranstaltung ebenfalls für die Öffentlichkeit zur Einsichtnahme ausgelegt.

Maßnahmen

Städtische Maßnahmen

Die Stadt Rodgau nutzt die Karten, um potenzielle Gefahrenschwerpunkte zu identifizieren. Sie dienen als Grundlage für die Planung von Maßnahmen wie Rückhalteflächen oder die Optimierung des Kanalnetzes (Kommunales Starkregenrisikomanagement).

  • Berücksichtigung in der Bauleitplanung und bei kommunalen Bauvorhaben

    Einbindung der Starkregenrisikovorsorge in kommunale Planungsprozesse Stadt- und Bauleitplanung:
    Die Karten fließen in die Planung neuer Baugebiete ein, um Gebäude gar nicht erst in gefährdeten Senken oder Fließwegen zu errichten.

  • Abflussmindernde Maßnahmen

    Abflussmindernde Maßnahmen sind:

    • Entsiegelung
    • Naturnahe Maßnahmen am Gewässer
    • Naturnahe Maßnahmen auf der Fläche (angepasste Gestaltung und Bewirtschaftung)
    • Stärkung von Rückhalt im Außengebiet
    • Stärkung von Kleinrückhalt in der Ortslage
    • Verbesserung der Ableitung & Strömungslenkung
    • Vermeidung von Verklausungen (Bsp.: Verstopfungen von Durchlässen)
    • Gewässerunterhaltung und -pflege
  • Vorbereitung der Gefahrenabwehr (Alarm- und Einsatzpläne)

    Katastrophenschutz & Rettungskräfte:
    Die Karten helfen Feuerwehren und Einsatzkräften, sich auf Szenarien vorzubereiten und im Ernstfall kritische Infrastrukturen gezielt zu schützen.

  • Dezentrale innerörtliche Niederschlagswasserbewirtschaftung

    Die dezentrale innerörtliche Niederschlagswasserbewirtschaftung (auch dezentrale Regenwasserbewirtschaftung genannt) dient zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Regenwasser in bebauten Gebieten. Dabei wird das Niederschlagswasser dort bewirtschaftet, wo es anfällt, anstatt es zentral über die Kanalisation abzuleiten. Ziel ist es, den natürlichen Wasserkreislauf so weit wie möglich zu erhalten oder wiederherzustellen.

     Beispiele sind:

    • Versickerung über Mulden, Rigolen oder Versickerungsschächte auf dem Grundstück
    • Regenwassernutzungsanlagen (Zisternen) zur Bewässerung oder Toilettenspülung 
    • Die Verdunstung bzw. Speicherung von Niederschlag über der durch Gründächer, Fassadenbegrünung, begrünte Innenhöfe u. v. m.. 
    • Stärkung des Wasserrückhalts in Außenbereichen 
    • Vorbereitung von innerörtlichen Notfließwegen
  • Stärkung des Wasserrückhalts in Außenbereichen & Vorbereitung von innerörtlichen Notfließwegen

    Beides sind entscheidende Säulen um Auswirkungen von Starkregen vorzubeugen. Ziel ist es, das Wasser in der Fläche zurückzuhalten („Schwammlandschaft“), um die Abflussspitzen in den Ort zu verzögern und, falls es dennoch zu Überflutungen kommt, das Wasser schadensarm durch den Ort zu leiten.

    Zur Stärkung des Wasserrückhalts im Außenbereich gehören:

    • Bodenmanagement (Landwirtschaft) - wie Erhöhung des Humusgehaltes, Bodenbearbeitung
    • Forstwirtschaftliche Maßnahmen – wie Waldumbau, flächige Ableitung von Wasser in den Waldboden
    • Strukturelle Landschaftselemente – wie Renaturierung der Rodau, Rückhaltebecken und Mulden

Privaten Maßnahmen - Empfehlungen

Ungeachtet der Vorkehrungen der Stadtentwässerung und anderer kommunaler Akteure sind auch die privaten Haus- und Grundstückseigentümer dafür verantwortlich, Elementarschäden wirksam zu minimieren. 

Neben den unten stehenden Hinweisen finden Sie weitere Informationen auch in einer sehr guten Broschüre der Stadt Offenbach zum Thema "Starkregen! Was ist zu tun?".


  • Erhöhung Risikobewusstsein bei Bevölkerung, Betrieben, Land- und Forstwirtschaft 

    Sensibilisierung:
    Die Darstellungen in den Karten machen das abstrakte Risiko von Starkregen konkret sichtbar, da dieser im Gegensatz zu Flüssen überall in der Fläche auftreten kann.

  • Informations-, Verhaltens- und Bauvorsorge sowie Objektschutz,

    Einfache Hinweise, wie Sie sich und Ihr Haus schützen können:

    • In überflutungsgefährdeten Räumen keine wertvollen und wichtigen Dinge lagern
    • Ungehindertes Abfließen über die Dach- und Entwässerungsrinnen sicherstellen
    • Sinkkästen auf dem Gelände (nicht auf der Straße) regelmäßig warten
    • Rückstausicherungen/ -klappen installieren bzw. regelmäßig Funktion überprüfen
    • Ggfs. Hebeanlagen  installieren bzw. regelmäßig Funktion überprüfen
    • Ungesicherte Bereiche können mit Sandsäcken an Türen und Fenstern abgedichtet werden
    • Eventuell bauliche Maßnahmen wie z.B. Flutshots für Fenster und Türen zwecks Wasserschutz veranlassen
    • Heizöltanks sollen für den Lastfall „Wasserdruck von außen“ geeignet und gut befestigen sein
    • Leitungen und Steckdosen in Kellerräumen möglichst weit oben verlegen
    • Stoffe, die gesundheits- oder umweltgefährdend sicher und trocken lagern

    Checkliste:
    Die Checkliste kann helfen, das Risiko für Schäden durch Starkregen an Ihrem Gebäude einzuschätzen. Umso mehr Fragen Sie mit „Nein“ beantworten können, desto besser ist Ihr Haus geschützt. Für Fragen, die Sie mit „Ja“ beantworten sind Schutzmaßnahmen sinnvoll und zu überlegen:

    1. Begünstigt die Lage Ihres Gebäudes, dass Wasser von der Straße oder anderen Grundstücken zu Ihnen fließt?
    2. Liegt Ihr Gebäude in einem tiefer liegenden Gebiet, an einem Hang oder nah an einem Gewässer?
    3. Ist es in Ihrer Gegend bereits zu Überschwemmungen gekommen?
    4. Liegen die Eingänge und Kellerfenster ebenerdig?
    5. Gibt es Kellerabgänge oder Lichtschächte über die Wasser eintreten könnte?
    6. Gibt es auf Ihrem Grundstück ein Gefälle hin zum Haus?
    7. Gibt es vor Ihrem Grundstück keine hohe Bordsteinkante?
  • Finanzielle Risikovorsorge

    Um Ihr Haus umfassend gegen Starkregen abzusichern, ist eine Wohngebäudeversicherung mit Einschluss von Elementarschäden (Elementarversicherung) zwingend erforderlich. Die herkömmliche Wohngebäudeversicherung zahlt bei Starkregen in der Regel nicht, da dies als Naturgefahr und nicht als Leitungswasserschaden gilt.  Prüfen Sie hierzu, ob als Elementarschaden explizit auch Starkregen genannt bzw. eingeschlossen ist. In diesem Fall deckt sie Schäden durch Überschwemmung, Rückstau und Starkregen am Gebäude ab.  

    Zudem sollte der Hausrat separat durch eine Hausratversicherung mit Elementarschutz geschützt werden. 

    Wichtige Schritte zur Absicherung:

    • Elementarschadenversicherung einschließen: Bestehende Wohngebäudeversicherungen können oft um den Baustein "Elementar" mit dem Zusatz Starkregen erweitert werden.
    • Schäden durch Rückstau prüfen: Achten Sie darauf, dass Schäden durch Rückstau aus der Kanalisation mitversichert sind.
    • Prävention (Eigenvorsorge): Einbau einer Rückstauklappe, Abdichtung von Kellerfenstern und Türen, um den Versicherungsschutz nicht durch Fahrlässigkeit zu gefährden.
    • Risiko prüfen: Die Beiträge hängen von der ZÜRS-Zone (Gefahrenklasse) ab; oft ist der Schutz günstiger als gedacht.
    • Wichtige Unterlagen sicher aufbewahren:- Unterlagen und wertvolle Gegenstände nicht im Keller oder in gefährdeten Räumen lagern.