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Rodgauer Geschichtspfade

Wege durch die Vergagngenheit

Seit Spätsommer 2010 ist das Ergebnis der Zusammenarbeit aller Rodgauer Heimat- und Geschichtsvereine, der Ortspolitik und der Stadtverwaltung für Bürgerschaft und geschichtsinteressierte Auswärtige deutlich sichtbar. 41 einheitlich gestaltete Hinweistafeln an Gebäuden oder Flächen markieren für unsere Stadt historisch bedeutende Objekte, von den Rodaumühlen in Weiskirchens Norden bis zu den verbliebenen Resten des ehemaligen Arbeitslager Rollwalds im Süd-Westen. Auch manches heute nicht mehr Sichtbare wird durch die Darstellungen auf den angebrachten Schildern wieder ins Gedächtnis gerufen. Texte, Bilder und Pläne erläutern zum Beispiel ausführlich Geschichte und Standort der spätmittelalterlichen Wasserburg der Herren von Haginhusen, Entstehung und Ansicht der früheren Wallfahrtskapelle St. Rochus in Hainhausen oder auch Merkmal und Bedeutung der ehemaligen Dorflinde vor Nieder-Rodens Bahnhof.

Alle 41 Objekte bilden eine 15 Kilometer lange Kette der fünf Rodgauer Geschichtspfade, die, stadtteilweise durchnummeriert, je nach Fortbewegungsmittel einzeln oder auch vollständig begangen oder erfahren werden können. Zur besseren Orientierung dient ein taschenfreundliches Faltblatt mit Gesamtplan und einführenden Texten zu den einzelnen Stationen und Bildern, die zur besseren Orientierung die aktuellen Ansichten zeigen und nicht die historischen, die den Erklärungstafeln vorbehalten sind.

Die Geschichte der recht jungen Stadt Rodgau, die im Zuge der hessischen Gebietsreform 1979 entstand, geht in den Ursprüngen der einzelnen Stadtteile weit zurück. Funde im südlichen Rodgau belegen, dass die Gegend bereits lange Zeit vor Christi Geburt Siedlungsraum war. Zur Zeit des Fränkischen Reiches im 8. und 9. Jahrhundert gehörten die umliegenden Wälder zum Wildbann Dreieich. „Der Rodgau“ war ebenso wie „der Kinziggau“ und „der Bachgau“ Teil des „Maingaus“, der kein politisches Gebilde darstellte, sondern eher eine Landschaftsabgrenzung.

Die erste urkundliche Erwähnung des „Rodgaus“ erfolgte bereits 786. Im Codex Laureshamensis, dem Lorscher Codex, wurde festgehalten, dass das dem Kloster Lorsch vermachte Kloster „Raodora“ (später auch "Rotaha" genannt) in der „Raodora Marc(h)a“, also in der Gemarkung oder einer Markgenossenschaft „Roden“, gelegen war. Der Name könnte auf die „Siedlung auf einer gerodeten Aue“ zurückgehen, ebenso aber auch darauf, dass die den Rodgau durchfließende Rodau, die bei Urberach im Rotliegenden entspringt, sich früher bei Hochwasser rot färbte. Wo genau das Kloster lag, ist bis heute nicht bekannt, und es kann leider deshalb auch nicht Bestandteil der Rodgauer Geschichtspfade sein.

Anders ist es beim ältesten noch erhaltenen Bauwerk Rodgaus, dem Kirchturm der Katholischen Pfarrkirche St. Matthias, dem Wahrzeichen Nieder-Rodens, der schon seit 1912 unter Denkmalschutz steht. Seine Entstehung wird für das frühe 13. Jahrhundert angenommen, da ein Dokument 1298 über eine Kirche berichtete, die an der Ostseite des bereits als Wehrturm bestehenden Gebäudes angebaut worden war. Die relativ kleine Kirche wich zum Ende des 19. Jahrhunderts dem heutigen Kirchenbau, der alte Turm jedoch blieb stehen. In ihm befindet sich heute noch die wertvolle Marienglocke aus dem Jahr 1518.

Fast genauso alt wie die Marienglocke sind die Ursprünge der Meckelsmühle in Weiskirchen, die 1576 erstmals erwähnt wurde, und die noch etwas nördlicher gelegene Tannenmühle, von deren erster Ausführung ganz aus Tannenholz natürlich nichts erhalten blieb. Der Nachfolgebau aus Stein erlebte 1799 ein mehrtägiges Scharmützel der Rodgauer Bauern gegen die französischen Revolutionstruppen.

Die fünf Rodgauer Geschichtspfade führen die Besucher aber auch zu Industriedenkmälern wie den Wasserturm (1938) und einer Lederwarenfabrik (1925) in Jügesheim oder zum Nieder-Röder Bahnhof (1896). Ebenso wurden ganze Altort- und Gebäudeensembles, Friedhöfe, Statuen und Kreuze aber auch berühmte Bürger aus der Vergangenheit einbezogen.

Beispielhaft seien hier die Tafel 5 in Jügesheim und 4 in Hainhausen teilweise zitiert:

Hermann Kämmerer, ein echter Jügesheimer aus der Hintergasse, schuf ab 1912 als Baugewerksmeister zwischen Ludwigstraße und Ostring ein Gebäudeensemble besonderen Charmes, das auch heute noch durch seine Vielfalt in der Gestaltung der Fassaden und Fensterbögen beeindruckt. Bei der Firma Holzmann in Frankfurt war Kämmerer als Planer und Ingenieur am Bau der Bagdad-Bahn und des Hamburger Elbtunnels beteiligt. Rochuskapelle 1958

In Hainhausen befand sich bis 1960 die Rochuskapelle, die 1687 von den wenigen Überlebenden des Dreißigjährigen Krieges aus Dankbarkeit zu Ehren des Pestpatrons St. Rochus errichtet wurde. Der Rochusaltar der Kapelle aus dem Jahr 1687 wurde nach deren Abriss in der 1893 geweihten Pfarrkirche St. Rochus wieder aufgestellt.

Alle 41 Tafeln der historisch bedeutsamen Objekte der Rodgauer Geschichtspfade sind unter den unten aufgeführten Links abzurufen, zusätzlich kann auch das erwähnte Faltblatt im pdf-Format heruntergeladen werden. Bald wird es auch eine ausführliche Broschüre zu den Rodgauer historischen Sehenswürdigkeiten geben, die im Bürgerbüro des Rathauses und in den Museen ausliegen und bei den Rodgauer Heimatvereinen erhältlich sein wird.

Bilder: Rodgauer Heimat- und Geschichtsvereine